Das Magazin New Business widmet in der Oktober Ausgabe seiner Covergeschichte dem Thema Arbeit und Alter. Gerhard Klicka, Geschäftsführer der IBG und Arbeitspsychologe, spricht darin über alternsgerechtes Arbeiten. Denn Arbeit stiftet Sinn – gerade im Alter.
Der Fachkräftemangel und die Herausforderungen des Pensionssystems machen altersgerechtes Arbeiten immer wichtiger. Klicka beobachtet diesen Trend seit Langem: „Es war absehbar, dass starke Jahrgänge in Pension gehen und nicht ausreichend durch geburtenschwächere Generationen ersetzt werden. Die demografische Entwicklung lügt nicht. Die Herausforderung besteht darin, wie Arbeitnehmer länger und gesund im Berufsleben bleiben können. Hier besteht in Österreich noch großer Nachholbedarf.“
Er verweist auf das Konzept der Humanökologie von IBG-Gründer Rudi Karazman, das eine Anpassung der Arbeitsprofile an die Stärken und Schwächen einer älteren Belegschaft fordert: „Produktivität und Gesundheit müssen im Gleichgewicht stehen. Jede Lebensphase hat ihre Stärken und Schwächen, und Unternehmen sollten dies berücksichtigen, um ihre Mitarbeiter länger zu beschäftigen.“
Die Annahme, dass Menschen nach der Pension aufhören zu arbeiten, sieht Klicka als Irrtum: „Sie arbeiten anders – für andere Ziele und in anderen Bereichen. Arbeit stiftet Sinn. Wenn die Erwerbsarbeit das nicht mehr bietet, suchen sich Menschen andere Aufgaben. Unternehmen sollten Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten von Anfang an bieten. Wer Verantwortung und Wertschätzung erfährt, bleibt auch im Alter gerne im Betrieb.“
Studien zeigen, dass Erwerbslose häufiger krank sind, weil ihnen Sinn und Anerkennung fehlen. Klicka betont: „Wir brauchen Arbeits- und Arbeitszeitmodelle, die den veränderten Stärken und Schwächen des Alters gerecht werden. Menschen bleiben länger im Erwerbsleben, wenn sie das Gefühl haben: Ich muss nicht, aber ich will.“
Experte: Gerhard Klicka
Autorin: Bettina Ostermann

Burnout wird laut der WHO-Klassifikation nicht als eigenständige Krankheit eingestuft, sondern den Kategorien Depression und Belastungsstörung zugeordnet. Zu den häufigsten Symptomen zählen Freudlosigkeit, Leistungsabfall, Schlafstörungen, Ängste, innere Unruhe und Panikattacken. Psychische Erkrankungen verursachen der Gesellschaft Kosten von über 10 Milliarden Euro, mit steigender Tendenz.
Laut aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2022 berichtet fast jeder zweite Österreicher über Zeitdruck und Überlastung am Arbeitsplatz. Besonders betroffen sind Berufe mit ohnehin zu wenig Personal, wie die Pflege und die Gastronomie. Hier müssen die Beschäftigten oft für zwei arbeiten. „Das ist ein Teufelskreis, sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Unternehmer. Wenn Menschen ein Burnout erleiden und dadurch längere Krankenstände notwendig werden, fehlt noch mehr Personal. Das erschwert die Situation für diejenigen, die noch arbeiten müssen,“ erklärt Gerhard Klicka.